Hundsgrotte


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Grotta del Cane. Public Domain.

Es gib einige Höhlen, die in der jeweiligen Landessprache Hundshöhle genannt werden. Meist geht der Name auf eine Legende zurück, oder eine Begebenheit mit einem Hund. Manchmal werden in der Höhle bei der Erforschung die Überreste eines Hundes gefunden, der aus irgendeinem Grund die Höhle nicht mehr verlassen konnte und dort gestorben ist. Es gibt Geschichten über Hunde die in dieser Situation gerettet wurden. Und es gibt Hunde die Personen aus Höhlen gerettet haben. Doch das, was wir hier mit dem Begriff Hundshöhle bezeichnen ist etwas ganz anderes.

Seifenblasen können auf Kohlendioxid schwimmen.

Eine Hundshöhle ist eine Höhle, in der ein Besucher keinerlei Besonderheit wahrnimmt, während ein Hund der ihn begleitet schnell bewusstlos wird. Der Hund stirbt in wenigen Minuten, wenn er nicht hinaus gebracht wird. An frischer Luft erholt er sich jedoch schnell wieder und scheint unverletzt zu sein.

Dieser seltsame Effekt wurde bereits vor langer Zeit entdeckt und beschrieben. Der Ort von dem diese zuerst berichtet wurde ist gleichzeitig auch der bekannteste derartige Ort, die CaveGrotta del Cane in Italien, in der Nähe von Neapel. Der Effekt wurde bereits von Plinius dem Älteren beschrieben, später von Johann Wolfgang von Goethe und Andre Dumas. Während diese Besonderheit im Altertum als Gefahr betrachtet wurde, wurde sie im 19. Jahrhundert eine berühmte Touristenattraktion. Reisende aus Nordeuropa begründeten den modernen Tourismus, als sie in größer Anzahl zu Reisen nach Italien aufbrachen. Heute sind die Hundsgrotten dagegen wieder fast vergessen.

Nun zum geologischen Hintergrund. Eine Hundshöhle ist kein geologischer Begriff für einen Höhlentyp. In den meisten Fällen handelt es sich noch nicht um eine natürliche Höhle oder gar einen grösseren Hohlraum. Es handelt sich dagegen häufig um einen ehemaligen Kellerraum oder Steinbruch. In Gebieten mit Vulkanismus produziert das Magma im Untergrund häufig große Mengen an Gasen. Das sind hauptsächlich Kohlendioxid (CO2) und Wasserdampf. Das Kohlendioxid steigt an Spalten auf, und wenn es das Grundwasser erreicht wird es vom Wasser gelöst und bildet die typische Kohlensäure in Mineralwässern. Erreicht es die Oberfläche auf trockenen Spalten, strömt das Gas unspektakulär aus, weil es unsichtbar ist. Man kann es nur dann leicht erkenenn, wenn das Gas unter Wasser ausströmt und man die Blasen sieht. Oder eben in einem windgeschützten Hohlraum. Das Kohlendioxidgas ist schwerer als Luft und bildet deshalb eine Art See am Boden.

Und das ist der Grund für den Effekt mit den Hunden: am Boden befindet sich fast reines Kohlendioxid, durch das Fehlen von Sauerstoff wird der Hund bewussstlos. Da Kohlendioxid jedoch nicht giftig ist, bessert sich der Zustand des Hundes sofort, wenn er wieder an der frischen Luft ist und genügend Sauerstoff erhält. Besucher nehmen das Gas deshalb nicht wahr, weil der Kopf sich weit oberhalb des Spieges des Gas-Sees befindet. Würden sie sich hinunterbeugen oder hinlegen,, würden sie auch schnell bewusstlos werden.

Die Kohlensäure ist unsichtbar, aber sie kann mit Seifenblasen sichtbar gemacht werden. Die Seifenblasen enthalten normale Luft, deshalb schwimmen sie auf der schweren Kohlensäure.

Die Entstehung von Kohlendioxid durch Vulkanismus ist sehr weit verbreitet, tatsächlich ist das Gas ein guter Marker für zunehmende vulkanische Aktivität. Aber eine stetige Produktion in Kombination mit einer Situation, in der das Gas nicht durch Wind zerstreut wird und ein solcher Kohlendioxidsee entsteht, ist recht selten. Wir kennen weltweit drei solcher Orte, alle drei sind unten aufgeführt.