Ruhrgebiet


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Zeche Consolidation, Deutschland. Public Domain.
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Steinkohle. Public Domain.

Das Ruhrgebiet ist wohl die bekannteste Industrieregion in Deutschland. Sie wurde im 19. und 20. Jahrhundert geprägt von Schwerindustrie und Kohlebergbau. Namensgebend ist der am südlichen Rand verlaufende Fluss Ruhr. Das Gebiet gehört zur Westfälischen Tieflandebene, der Niederrheinischen Ebene und dem Rheinischen Schiefergebirge. Hier existiert ein Vorkommen von kohleführenden Schichten des Oberkarbon. Die Kohlenflöze liegen entlang der Ruhr an der Oberfläche und senken sich nach Norden ab. In Höhe der Lippe liegen sie in einer Tiefe von 600 bis 800 Meter. Ihre Mächtigkeit liegt meist zwischen 1 m und 3 m.

Die Kohle entstand im Devon und Karbon, als das Gebiet ein große, sumpfige, mit tropischen Regenwäldern gefüllte Senke war. Mit dem Beginn der variszischen Gebirgsbildung vor 400 bis 300 Millionen Jahre wurde das Rheinischen Schiefergebirge angehoben und das nördliche Vorland abgesenkt. Die Wälder wurden periodisch von mächtigen sandigen Sedimenten überlagert. Mit zunehmendem Druck durch die überlagernden Schichten und zunehmender Temperatur aus dem Erdinnern kam es zur Inkohlung, durch die das Pflanzenmaterial langsam in Steinkohle umgewandelt wurde. So entstanden hunderte von kohleführenden Schichten, von denen allerdings nur etwa 70–80 Flöze abbauwürdig sind, Außerdem kam es im Zuge der Gebirgsbildung an tektonischen Störungslinien zum Aufstieg von Erzlösungen und es entstanden einige Erzlagerstätten.

Die Entdeckung der brennenden Steine wird einem Hirtenjunge zugeschrieben, der ein Feuer machte. Ihm fiel auf, dass die Steine die in der Feuerstelle lagen zu glühen begannen und die ganze Nacht Wärme abgaben. Seit dem 13. Jahrhundert wurde die Kohle in kleinen Mengen zur persönlichen Verwendung abgebaut, Zumindest ab dem 17ten Jahrhundert, wurde am Südufer der Ruhr in größerem Maßstab nach Kohle gegraben. Hier traten Flöze zu Tage und waren leicht im Tagebau abzubauen. 1755 gab es im Ruhrgebiet bereits fast 200 Zechen. Im 18. Jahrhundert begann die industrialisierung mit einzelnen Eisenhütten, 1758 die St.-Antony-Hütte in Oberhausen-Osterfeld, 1782 die Gutehoffnungshütte in Oberhausen-Sterkrade und 1791 die Eisenhütte Neu-Essen in Oberhausen-Lirich. Damals wurden die Erze noch mit Holzkohle verhüttet.

Durch die Verkokung konnte Kohle zur Verhüttung von Eisen in Hochöfen verwendet werden. Damit war man nicht mehr von den begrenzten Mengen an Holzkohle abhängig und die Produktion explodierte, Dies wird allgemein als Beginn der industriellen Revolution angesehen. In Gebieten wie dem Ruhrgebiet, wo reiche Kohlelager und Eisenvorkommen zusammen trafen neschleunigte sich der Vorgang. 1850 gab es fast 300 Zechen, dazu Kokereien und Eisen- und Stahlhütten zur Roheisen- und Stahlerzeugung. Die Zechen wanderten nach Norden und wurden immer tiefer, sie folgten der Kohle. Das Gebiet wurde mit dem Ausbau von Eisenbahn und Kanälen erschlossen. Die Bevölkerungszahlen stiegen stark an, durch Zuwanderung aus anderen Teilen Deutschlands, eine überdurchschnittlich hohe Geburtenrate, aber auch Zuwanderung aus anderen Ländern. Arbeitersiedlungen, sogenannten Zechenkolonien, wurden gebaut und der Ruhrkohlenbezirk wurde zum größten industriellen Ballungszentrum Europas.

Der Bergbau in vielen Europäischen Kohle- und Eisenbergwerken kam in den 1970er Jahren durch billigere Rohstoffe auf dem Weltmarkt in eine Krise. Die Arbeitsplätze gingen auch im Ruhrpott stark zurück, viele Zechen schlossen. Ein Bergbau auf niedrigem Niveau wurde noch bis in die 2010er Jahre durch Subventionen aufrechterhalten, wurde dann jedoch aus Gründen des Klimaschutzes eingestellt. Inzwischen gibt es keine einzige arbeitende Zeche mehr. Die interessantesten Zechen wurden unter Denkmalschutz gestellt und können als Museen oder Veranstaltungsorte genutzt werden. Die meisten wurden jedoch abgerissen.