Yaodong


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Cave dwelling near Yan`an, Shaanxi, China, Arthur de Carle Sowerby (*1885-✝1954). Public Domain.

Die berühmtesten Höhlenhäuser der Welt sind wohl die Yaodong in den Lößebenen Chinas. Man nennt sie manchmal auch Erdhäuser, obwohl man den feinen, unverfestigten Löß wohl kaum als Erde bezeichnen kann.

Löss, manchmal auch Loess geschrieben, ist feiner Gesteinsstaub mit einer Korngröße von 0,002 mm bis 0,063 mm und wird in der Geologie als Silt bezeichnet. Es ist ein äolisches, unverfestigtes Sediment, das sich meist wie ein weiches Gestein verhält. In der Regel ist der Ursprung glazial.

Gletscher erodieren eine enorme Menge an Gestein, indem sie es durch ihr Gewicht und ihre Bewegung zermahlen. Dadurch bildet sich ein sehr feiner Gesteinsstaub der vom kalten Wind, der von den Gletschern herunter weht, ins Vorland geblasen wird. An Vegetation oder auch an Hügeln wird der Wind gebremst und der Schluff als Löss abgelagert. Im aktuellen Eiszeitalter, also in den letzten 2,4 Millionen Jahren, sind so große Lager mit Löss auf der ganzen Welt entstanden.

Löss hat ganz ungewöhnliche Eigenschaften, was in erster Linie and der Form der Körner liegt. Diese sind durch die mechanische Verwitterung scharfkantig und eckig und verhaken sich deshalb stark, im Gegensatz zu Sand der durch Wasser transportiert, zerkleinert und gerunded wird. Der feine Schluff ist leicht zu graben, man kann ihn kratzen und schaufeln. Aber obwohl es sich nur um sehr feinen Sand handelt, bricht er nicht wie normaler Sand ein oder fließt weg. Mit anderen Worten: die gegrabenen Höhlen sind außergewöhnlich standfest. Das ist der Grund, warum die Menschen beschlossen, Höhlen in dieses Lockersediment zu graben. Es war viel weniger Arbeit als der Bau eines Hauses.

Ein weiterer Aspekt ist die hohe Fruchtbarkeit der Böden auf Löss. Der Gesteinsstaub wird durch seine große Oberfläche leicht gelöst, wodurch das Wasser vielfältige Mineralstoffe aufnimmt. Deshalb werden die Böden dauernd von unten gedüngt, und vor der Erfindung von Mineraldünger waren dies die fruchtbarsten bekannten Böden.

Während der Eiszeiten war die Wüste Gobi kalt und windig, und die von Norden vordringenden Gletscher produzierten in großen Mengen Gesteinsstaub. Dieser Staub wurde durch den Wind in ein Gebiet mit ein wenig Vegetation weggeblasen, dadurch wurde der Wind gebremst und verlor so den Staub. Im Laufe von zehntausenden von Jahren wurden riesige Schichten dieses Staubs abgelagert und bildeten so das Lössplateau oder Löss-Hochland in Nordchina. Es bedeckt ein riesiges Gebiet von 1000 km ost-westlich und 700 km nord-südlich, den größten Teil der Provinz Shaanxi, sowie Teilen der Provinzen Hebei, Henan, Gansu, Qinghai und der Inneren Mongolei. Der Gelbe Fluß, hat seinen Namen von dem mitgeführten Löss, er besitzt mit fast 40 Kilogramm pro Kubikmeter Wasser die weltweit höchste Sedimentfracht. Zudem ist der Löss meist sehr mächtig, am gelben Fluß ist er bis zu 400 m mächtig.

Die fruchtbare Hochebene war ein äußerst guter Siedlungsraum. Doch aufgrund der großen Mächtigkeit des Löss waren in einem riesigen Gebiet Steine Mangelware. Lediglich begrenzte Mengen Holz standen für den Hausbau zur Verfügung. Deshalb war der Bau von Höhlenhäusern geradezu zwingend notwendig, durch die Eigenschaften des Löss entwickelte sich ein besonderer Baustil der mit dem Namen Yaodong (Haus Höhle) bezeichnet wird. Ganze Städte wurden unterirdisch gebaut, 35 Millionen Menschen wohnen heute im Nordwesten Chinas in Yaodongs. Man unterscheidet folgende drei Typen:

Die Versunkene Höhle, auch 地坑院 (De kēng yuàn, Versunkener Hof), ist in flachen Regionen verbreitet. Dabei wurde zuerst ein quadratischer Schacht gegraben, von dem aus in alle vier Richtungen die Räume des Hauses in die Wände gegraben wurden. Der Zugang erfolgt entweder über eine Treppe an einer Wand entlang, oder über eine Treppe senkrecht zur Wand, von der Hochfläche, die am Grund des Schachtes endet.

Literature

  • David Bozsaky (2015): Historical Development and Special Building Structures of In-earth Embedded Houses, Acta Technica Jaurinensis. 8. 113. DOI researchgate