Gasteiner Heilstollen


Touristische Informationen:

Ort: Heilstollenstraße 19, 5645 Bad Gastein-Böckstein.
(47.080074, 13.097272)
Öffnungszeiten: Ganzjährig Mo-Fr.
[2025]
Eintrittspreise: Einfahrt EUR 96,20, 10 Einfahrten EUR 911,70.
[2025]
Typ: MineGold MineSilber MineRadontherapie
Licht: LightElektrisches Licht
Dimension: T=37,5 °C-41,5 °C, H=70-95%
Führungen: selbstgeführt
Fotografieren: begrenzt/schwierig
Zugänglichkeit: ja, barrierefrei
Literatur: Christof Exner (1965): Die Geologie des Thermalstollens und seiner Umgebung
Karl Zschocke (1965): Der Goldbergbau in den Hohen Tauern und die Auffahrung des Radhausberg-Unterbaustollens (Pasel-Stollen, Thermalstollen, Heilstollen) in Böckstein bei Badgastein
In: Ferdinand Scheminzky: Der Thermalstollen von Badgastein-Böckstein. Tyrolia, Innsbruck 1965.
Adresse: Gasteiner Heilstollen, Heilstollenstraße 19, A-5645 Böckstein, Tel.: +43-6434-3753-0. E-mail:
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Geschichte

~1000 im Gasteinertal wird Gold gefunden, und es kommt zu einem Goldrausch.
1342 Erzbischof Heinrich von Pyrnbrunn erlässt die erste Bergverordnung.
15. Jahrhundert Aufnahme von Bergbauaktivitäten, finanziert durch die Handelsfamilie Fugger aus Augsburg.
16. bis 17. Jahrhundert Diverse Bergbauaktivitäten im Gasteinertal zwischen Sonnblick und Ankogel zur Gewinnung von Gold- und Silbererz.
1557 das beste Bergbaujahr mit einer Produktion von 830 kg Gold und 2723 kg Silber.
1616 Erzbischof Markus Sittikus übernimmt den Bergbau, um den arbeitslosen Bergleuten Arbeit zu geben.
1642 der Bergbau wurde wieder lukrativ, da neue Techniken wie der Einsatz von Sprengstoff eingeführt wurden.
1741 Bergbauanlage in Altböckstein errichtet.
1864 Erste Gewerkschaft Radhausberg 1864 gegründet.
1907 Erste Gewerkschaft Radhausberg 1864 aufgegeben.
1938-1945 ein Versuch der deutschen Preuß AG, den Bergbau wieder aufzunehmen (um den Krieg zu finanzieren), scheitert.
1946 umfangreiche wissenschaftliche Forschung durch die Universität Innsbruck.
1951 Prof. Scheminszky und Prof. Hittmair der Universität Innsbruck veröffentlichten ihren Bericht.
1952 Heilstollen-Betriebsges.m.b.H. gegründet.
1954 Erstes Stollenkurhaus gebaut.
1970-1971 Krankenhaus erweitert.
1989 Neues Krankenhaus eingeweiht.

Geologie

Der Radhausberg wurde während der Bildung der Alpen aufgefaltet und erhielt mehrere Störungen, insbesondere nord-süd-gerichtete, steile Zerrklüfte durch die Dehnung der Gesteine in Ost-West-Richtung. Bei einer Störung bewegten sich die beiden Seiten in horizontaler Richtung relativ zueinander, man spricht von einer Verwerfung. Durch die Faltung der Gesteine wurde das Gesteinspaket dicker und schwerer. Der hohe Druck mobilisierte Buntmetalle und Kieselsäure aus den paläozoischen Schiefern der Habachformation. Diese bewegten sich in den Störungszonen nach oben. Als sie in Oberflächennähe abkühlen erstarren sie zu einem quarzgefüllten Gang mit Metallerzen. Es bilden sich auch Quarzdrusen mit vereinzelten Goldkristallen. Eine zweite tektonische Bewegung führt zu weiteren Verwerfungen, allerdings war nun die Temperatur in der Tiefe nun zu niedrig, die Gänge enthalten kein Gold. Die Bergleute nennen sie deshalb Fäulen.

Während der letzten Eiszeit waren die Alpen von dicken Gletschern bedeckt. Vor etwa 12.000 bis 10.000 Jahren endete diese letzte Kaltzeit und die Schmelzwässer der abtauenden Gletscher erodierten die Berge. Die meisten Klammen in den Alpen haben sich damals gebildet. Auch in die Fäulen dringen große Mengen Wasser ein, erwärmen sich in der Tiefe und steigen wieder auf. Dieser hydrothermale Kreislauf transportiert Spurenelemente wie Radium, Chrom und Fluor nach oben. In der Verbindung mit Fluorsalzen zerfallen die metallischen Radiumsalze und bilden Radon, greifen auch die goldführenden Gänge an und ihre Metalle an. Außerdem bilden sich Thermalquellen an der Seite des Berges.

Der historische Bergbau baute die goldführenden Gänge vom Gipfel bis in eine Tiefe von 400 m ab. Damals endete der Bergbau, weil die technischen Möglichkeiten ein weiteres Vordringen in die Tiefe unmöglich machten. Hier wurde die quer verlaufende Wantschler Fäule erreicht. Unterhalb wurde das Gold durch die Konvektion des Thermalwassers bereits abtransportiert, weshalb der Paselstollen zwar heißen Dampf und Radon produzierte aber kein Gold.

Bemerkungen

Der Paselstollen am Radhausberg in Böckstein wurde 1940 gebaut, um die Bergbautätigkeit des 17. Jahrhunderts wieder aufzunehmen. Ein Motiv dafür könnte die Notwendigkeit gewesen sein, den Zweiten Weltkrieg zu finanzieren. Der Stollen wurde unterhalb der historischen Bergwerke angelegt, um die mit Erz gefüllten Spalten zu finden. Dies gelang jedoch nicht, es wurden keine Silber- und Golderze gefunden. Aber die hohen Temperaturen und die hohe Luftfeuchtigkeit wurden bemerkt, und mehrere Bergleute mit rheumatischen Beschwerden berichteten von einer Verringerung ihrer Beschwerden, während sie im Stollen arbeiteten. Nach dem Krieg, ab 1946, führte die Universität Innsbruck wissenschaftliche Untersuchungen im Stollen durch, und die heilende Wirkung des Stollens wurde in einem Bericht von Prof. Scheminszky und Prof. Hittmair beschrieben. Die drei Faktoren sind hohe Temperatur, hohe Luftfeuchtigkeit und das natürliche Radongas im Stollen mit einer Menge von 4,5 Nanocurie pro Liter Luft. Die wichtigste Wirkung ist die Linderung von Spondylitis ankylosans, auch bekannt als Morbus Bechterew, eine chronisch-entzündliche rheumatische Erkrankung. Gastein ist der Kurort mit den weltweit meisten Patienten, die mit Radon gegen diese Krankheit behandelt werden. Heute heißt der Stollen Gasteiner Heilstollen und zusammen mit dem Krankenhaus, dem Felsenbad und anderen Wellnessangeboten verdient das Dorf wirklich das Präfix „Bad“, das Dörfern mit heilender Wirkung verliehen wird. Das in den Alpen gelegene Dorf bietet auch zahlreiche Wintersportmöglichkeiten wie Skifahren und Snowboarden.

Dies ist ein Heilstollen, also eine medizinische Einrichtung. Obwohl er also für die Öffentlichkeit zugänglich ist, gibt es keine Besichtigungen oder Führungen, man kann ihn nur zur Therapie betreten. Aus dem gleichen Grund ist auch fotografieren schwierig, schließlich sollte man die Persönlichkeitsrechte der Patienten berücksichtigen. Und auch technische Probleme gibt es, die hohe Temperatur und Luftfeuchtigkeit sind Kameras wenig zuträglich. In der Regel sind Befahrungen wohl eine Kur, die ein, zwei oder drei Wochen dauert. Bei medizinischer Anwendung können diese von der Krankenkasse übernommen werden.

Bei der ersten Einfahrt gibt es zuerst einen kurzen Check-up, der sicherstellt, dass Körper und Kreislauf den hohen Temperaturen gewachsen sind. Dann geht man in die Umkleide, der Stollen wird mit Bademantel, Handtuch und Badebekleidung befahren. Ein Einführungsvortrag erklärt, was im Stollen geschieht. Der Stollen wird dann mit einer Grubenbahn bis zu Station I befahren. Hier hat es 37 °C und mittlere Luftfeuchtigkeit. Der Aufenthalt dauert rund eine Stunde, danach fährt man wieder hinaus, und lässt das ganze noch mit 30 Minuten Ruhe in einem Ruheraum ausklingen. Es gibt verschiedene Therapiestationen, aber man darf die nächste erst befahren, wenn man einmal die Station davor gemeistert hat.