Feuersteinbergwerk von Abensberg-Arnhofen


Touristische Informationen:

Ort: Dollingerstraße 18, 93326 Abensberg.
(48.814670, 11.845790)
Öffnungszeiten: Ganzjährig Di-So 10-17.
[2022]
Eintrittspreise: Erwachsene EUR 3, Kinder (6-16) EUR 1.50, Children (0-5) free, Studenten (-26) EUR 2, Senioren (65+) EUR 2, Behinderte EUR 2, Familie EUR 5.
Gruppen (10+): Erwachsene EUR 2, Kinder (6-16) EUR 1.
[2022]
Typ: ExplainFeuerstein SubterraneaBergbaumuseen
Licht: LightBeleuchtung mit Glühlampen
Dimension:
Führungen: nein
Fotografieren: erlaubt
Zugänglichkeit: rollstuhlgerecht
Literatur: Michael M. Rind (2004): Zum Stand der Ausgrabungen im Arnhofener Hornsteinbergwerk In: Hans-Jürgen Beier und Ralph Einicke (Hrsg.): Varia Neolithica III – Gedenkschrift für Annemarie Häußer und Helmut Spatz (Langenweißbach 2004).
Georg Roth (2009): Geben und Nehmen. Eine wirtschaftshistorische Studie zum neolithischen Hornsteinbergbau von Abensberg-Arnhofen, Kr. Kelheim (Niederbayern). Dissertation. Uni Köln 2009 online
Alexander Binsteiner (2005): Die Lagerstätten und der Abbau bayerischer Jurahornsteine sowie deren Distribution im Neolithikum Mittel- und Osteuropas, Jahrbuch des Römisch-Germanischen Zentralmuseums 52, Nr. 1 (2005). ISSN 0076-2741 eISSN 2198-9400 doi online
Frank D. Davis (1975): Die Hornsteingeräte des älteren und mittleren Neolithikums im Donauraum zwischen Neuburg und Regensburg Bonner Hefte zur Vorgeschichte Nr. 10. 124 S., Bonn 1975, Ulmer, Stuttgart.
M. Moser (1978): Der vorgeschichtliche Bergbau auf Plattensilex in den Kalkschiefern der Altmühlalb und seine Bedeutung im Neolithikum Mitteleuropas Archäologische Informationen 4, 1978, 45 – 81.
B. Engelhardt et al. (1988): Vorbericht über die Ausgrabungen 1984-1986 im neolithischen Feuersteinabbaurevier von Arnhofen, Ldkr. Kelheim Germania 66, 1988, 1-28.
Adresse: Herzogskasten Stadtmuseum, Dollingerstraße 18, 93326 Abensberg, Tel: +49-9443-9103-500, Fax: +49-9443-9103-9500. E-mail:
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Geschichte

1450 Herzogskasten erbaut.
1861 lokalhistorische Sammlung durch Benefiziat und Pfarrer Peter Paul Dollinger und Kaufmann Nikolaus Stark angelegt.
1899 erstmalig im Rathaussaal der Öffentlichkeit präsentiert.
1926 Franz Xaver Osterrieder gründet den Heimatverein und heimatkundliche Sammlung.
Heimathaus in der Von-Hazzi-Straße eröffnet.
1963 Sammlungen vereinigt und als Aventinusmuseum im ehemaliges Karmelitenkloster eröffnet./td>
1975 F. Davis untersucht Silexartefakte der frühen Jungsteinzeit zwischen Neuburg und Straubing.
1978 M. Moser bestimmt die neolithischen Abbaureviere Arnhofen, Oberfecking und Schoißenkager als Quelle.
1981 erste Grabung in einem vom modernen Abbau angeschnittenen prähistorischen Abbauschacht.
1984–1986 Umfangreiche Ausgrabungen ergeben zahlreiche, eng beieinanderliegende Schächte.
26-JUL-2002 Heimatverein übereignet Sammlung an die Stadt.
2004/2005 Herzogskasten saniert.
JUL-2006 Museum eröffnet.

Geologie

Abensberg liegt südlich der Donau, das Gebiet liegt im Grenzbereich der Molasse mit den Mesozoischen Sedimentgesteinen der süddeutschen Schichtstufenlandschaft. So befindet sich hier im Untergrund der Malm oder Weiße Jura, überdeckt von eine dicken Schicht Lockergestein die als Grundmoräne abgelagert wurde. In diese Grundmoräne befinden sich sehr viele Feuersteine, weil diese härter waren und widerstandsfähiger, aber natürlich auch weil es wohl in der Nähe eine Quelle für dies Konkretionen im anstehend Gestein gibt. Diese sind die Plattenkalke der Abensberger Schüssel des Malm Zeta 1+2. Dadurch, dass sie sich in Lockergestein befinden waren sie sehr leicht abbaubar. Offenbar sind sie auch jung genug um nicht durch Verwitterung unbrauchbar geworden zu sein.

In Bayern werden die Feuersteine meist Hornstein genannt, es handelt sich aber dabei um keine spezielle Feuersteinart, lediglich um einen lokalen Namen. Eine kleine Besonderheit haben sie aber doch, sie sind gebändert, was sehr chrakteristisch ist und leicht zu erkennen. Diese Besonderheit gilt nur für ein kleinräumiges Lagerstätten-Areal, mit anderen Worten bearbeitete Feuersteine können relativ leicht dieser Lagerstätte zugeordnet werden.

Bemerkungen

Das Feuersteinbergwerk von Abensberg-Arnhofen is ein jungsteinzeitliches Feuersteinbergwer. In der Nähe des kleinen Orts Arnhofen, nur 500 m nördlich von Abensberg, befand sich zwischen 5500 und 4000 Jahren vor Christi eine kleine Siedlung. Die Menschen waren hier über längere Zeit ansässig und bauten den Feuerstein ab, der hier zu finden ist. Offensichtlich gab es Feuersteine an der Erdoberfläche, doch bald wurde es notwendig in den Boden hineinzugraben. Und so legten sie in einem 50 ha großen Bereich im Laufe der Zeit über 20.000 bis zu 8 m tiefe Schächte an. Dabei ist nicht klar, ob sie nicht noch tiefer gegraben hätten, doch in 8 m Tiefe steht der Weißjura Plattenkalk an. Nur die 8 m dicke Schicht aus Kiesen und Sanden ist reich an Feuerstein.

Die Ausgrabungsstätte selbst ist nicht öffentlich zugänglich. Doch das Heimatmusem Herzogskasten Stadtmuseum in Abensberg hat eine Ausstellung die nur diesem Feuerstein-Bergwerk gewidmet ist. Es besitzt sogar eine Replik eines Berwerksschachtes. Das Bergwerk ist besonders interessant, weil es mit einem Alter von 7,500 Jahren derzeit der älteste bekannte Bergwerk ist. Außerdem ist es das größte bekannte Feuerstein-Bergwerk. Generell sind Feuersteinbergwerke recht häufig, die meisten sind aber klein oder wurden im Laufe der Jahrtausende zerstört, es gibt in Europa weniger als zehn die man besichtigen kann.

Das Feuersteinbergwerk in Abenberg ist archäologisch äußerst wichtig, was auf eine Besonderheit des Feuersteins zurückzuführen ist. Sie sind gebändert, was sehr chrakteristisch ist und leicht zu erkennen, mit anderen Worten bearbeitete Feuersteine können relativ leicht dieser Lagerstätte zugeordnet werden. F. Davis untersuchte 1975 Silexartefakte der frühen Jungsteinzeit zwischen Neuburg und Straubing. Er erkannte daß viele aus der gleichen Lagerstätte kamen un vermutete sie im Gebiet um Kelheim. M. Moser bestimmte 1978 die neolithischen Abbaureviere Arnhofen, Oberfecking und Schoißenkager als Quelle. Nach einer ersten Ausgrabung 1981 wurden 1984 bis 1986 zahlreiche, eng beieinanderliegende Schächte, die bis in eine Tiefe von 8 m senkrecht in den Boden reichen, ausgegraben. Seither wurden Feuersteinwerkzeuge aus den verschiedensten Ausgrabungen auf die besondere Bänderung geprüft. Das Ergebnis war verblüffend: Der Feuerstein wurde offensichtlich in ganz Mitteleuropa gehandelt.

Das Museum befindet sich im Herzogskasten, ein Kornspeicher und Zehntscheuer, der 1450 erbaut wurde. Später wurde er als Lager, zur Unterbringung der Kriegsgefangenen, und als Hopfendarre benutzt. Die Sammlungen von drei heimatkundlich interessierten Abenbergern wurden für das Museum. Benefiziat und Pfarrer Peter Paul Dollinger und Kaufmann Nikolaus Stark gründeten 1865 eine lokalhistorische Sammlung. Später wurde sie im Rathaussaal ausgestellt. Franz Xaver Osterrieder gründet den Heimatverein und eine heimatkundliche Sammlung. Alle drei Sammlungen zusammen wurden dann als Aventinusmuseum im ehemaliges Karmelitenkloster eröffnet. Schließlich wurde der Herzogskasten von der Stadt renoviert, die Sammlung an die Stadt übereignet und 2006 als Stadtmuseum eröffnet.