Grube Neue Hoffnung Bleialf


Touristische Informationen:

Ort: Hamburg 1, Bleialf.
A60 (E42) Ausfahrt Bleialf, nach Bleialf, rechts ab.
(50°13'58.79"N, 6°17'9.38"E)
Öffnungszeiten: MAY bis OCT Sa, So 14-17, letzte Führung 16:15.
[2021]
Eintrittspreise: Erwachsene EUR 5, Kinder (6-14) EUR 2,50.
[2021]
Typ: MineBlei
Licht: elektrisch
Dimension:  
Führungen: D=1h, L=800m.
Fotografieren: erlaubt
Zugänglichkeit: nein
Literatur:  
Adresse: Bergmannsverein St. Barbara Bleialf, Poststraße 5, 54608 Bleialf, Tel: +49-6555-1227, Fax: +49-6555-2989906, Cell: +49-160-1009749. E-mail:
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Geschichte

11. Jh Bleierzförderung im Gebiet der Schneifel erstmals erwähnt.
26-APR-1158 dem Erzbischof von Trier Hillin von Falmanies und seinen Nachfolgern wird durch Kaiser Friedrich I., Barbarossa, das Bergregal auf allen Silbergruben des Erzstiftsgebietes zuerkannt.
26-NOV-1346 Kaiser Karl IV. bestätigt dem Erzbischof Baldewin die Kurtrier zustehenden Rechte und erweitert sie auf das Bergregal für das ganze Erzstift.
1356 die Goldene Bulle spricht den Kurfürsten (und somit auch den Erzbischöfen von Trier) alle Metalle und Salze zu.
1493 das Kloster Prüm erwirbt von den Eheleuten von Wetzlar und Liese von Dudelendorf Anteile an den Bleiwerken bei Alf.
15-SEP-1829 Bergwerksanlagen werden öffentlich versteigert.
1839 Beginn des Mühlenberger Stollen.
1852 Mühlenberger Stollen erreicht seine endgültige Länge von 1189m.
AUG-1861 Knappschaftsverein der Grube Neue Hoffnung gegründet.
1862 Abbau im Mühlenberger Stollen erreicht seinen Höhepunkt.
1882-1888 Ende des Abbaus, Betriebsauflösung, Knappschaftsverein aufgelöst.
01-OCT-1922 Betrieb auf den Bleialfer Gruben wird eingestellt.
1926 Katholischer Bergmannsverein St. Barbara Bleialf gegründet.
13-DEC-1937 Bergbau reaktiviert.
MAY-1943 Bergbau endgültig eingestellt.
1950 Untersuchungsarbeiten durch die Gewerkschaft Mechernicher Werke auf Wiederaufnahme des Abbaus.
11-OCT-1954 Letzte Untersuchungsarbeiten beendet, wirtschaftlicher Betrieb des Bergwerks nicht mehr möglich, Bergbau wird zurückgebaut.
1986 Mühlenberger Stollen durch den Bergmannsverein geöffnet.
1987 Schaubergwerk eröffnet.
01-JUN-2018 Unwetter mit Starkregen überflutet das Empfangsgebäude und den Stollen, Schaubergwerk geschlossen.
SEP-2019 nach Renovierung wiedereröffnet.

Geologie

Die Schneifel stellt ein Rumpfgebirge dar, den Rest eines variszischen Hochgebirges. Nach langer Zeit der Erosion wurde sie im Quartär nochmals gehoben. In Bleialf befindet eine der drei Bleierz-Lagerstätten in der Eifel.

Bemerkungen

Das Bleibergwerk "Neue Hoffnung" an der Heinzkyller Mühle, beziehungsweise der Mühlenberger Stollen, wurde 1987 als Schaubergwerk eröffnet. Er war nur ein Jahr vorher geöffnet worden und vom Bergmannsverein St. Barbara Bleialf in Zusammenarbeit mit der Ortsgemeinde und dem Geologischen Institut der RWTH Aachen, unter der Leitung von Prof. Dr. W. Kasig, zum Schaubergwerk ausgebaut worden. Das ehemaligen Mundloch des Mühlenberger Stollens wurde durch das Einstiegsbauwerk ersetzt, das auf den ersten 20m mit Türstockausbau gesichert ist. Das ist notwendig, weil im oberflächennahen Bereich das Gestein durch Verwitterung aufgelockert ist. Tiefer im Berg ist das Gestein sehr stabil und auch ohne Ausbau standfest. Der Stollen wurde van Hand nur mit Schlägel und Eisen aufgefahren. Nach 400m ändert sich das, die Möglichkeit mit Sprengmittels das Gestein zu zerrütten war entdeckt worden. Dadurch wurde die Arbeit zwar nicht erleichtert, aber die Abbaumenge drastisch erhöht.

Der Mühlenberger Erzgang ist im Schaubergwerk aufgeschlossen. An ihm werden Abbau- und Fördermethoden erläutert. Der nicht mehr erhaltene Mühlenberger Schacht war Förderschacht für die Erze und das Nebengestein. Der Mühlenberger Stollen war der Ursprung des Bergbaus, diente sowohl zur Exploration als auch zum Abbau von Erze, und vor dem Abteufen des Mühlenberger Schachts war er auch für die Förderung zuständig. Am wichtigsten war jedoch die Wasserhaltung, der Stollen diente als Erbstollen, das bedeutet, daß die Grubenwässer durch den Stollen gravitativ abfließen konnten.

Der Bergbau begann im 11. Jahrhundert an der Oberfläche. Ab dem 12. Jahrhundert war das Recht das Erz abzubauen, das sogenannte Bergregal, vom Kaiser an die Trierer Erzbischöffe verliehen. Das Bergregal berechtigte diese, Bergwerke zu betreiben und für sich auszubeuten. Sie konnten aber auch Bergwerke zur Ausbeutung an Privatleute verleihen und Abgaben darauf erheben. Davon wurde reger Gebrauch gemacht. So wurden die Bleiwerken bei Alf wiedeholt an verschiedene Pächter vergeben, wie die Vielzahl and Urkunden beweist. 1493 erwirbt das Kloster Prüm von den Eheleuten von Wetzlar und Liese von Dudelendorf Anteile an den Bleiwerken bei Alf, die diese wohl ihrerseits von den Trierer Erzbischöffen erworben hatten. Damit stieg der Prümische Abt ebenfalls in das Geschäft ein.

Die Blütezeit des Bleialfer Bergbaus lag in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts. Doch der dreißigjährige Krieg und die Pest entvölkerten Deutschland und so ging der Bleialfer und Schönberger Bergbaus im 17. Jahrhundert massiv zurück. Nach langsamer Erholung kamen gegen Ende des 18. Jahrhunderts billigere Erze auf den Markt und führten zu einem erneuten Rückgang. Anfang des 19. Jahrhundert kam er sogar völlig zum Erliegen, die Anlagen wurden versteigert und die Armen fingen an die Halden nach Bleierz abzusuchen. 1828 wurden die Bergwerksanlagen öffentlich versteigert.

Rettung kam in Person des Guts- und Bergwerksbesitzer Johann Heinrich Wiesmann aus Hattingen an der Ruhr. Er stellte im November 1838 ein Konzessionsgesuch auf die Grube Hoffnung. Ab 1840 geht es Schlag auf Schlag, es werden mehrere Konzessionen in der Umgebung vergeben und Bergwerke eröffnet, es begann eine neue Blütezeit. Der Mühlenberger Stollen wurde von 1839 bis 1852 in den Berg getrieben und erreichte eine Länge von 1189m. Er hatte seine Blütezeit um 1862 mit über 1000 Beschäftigten. Doch der Abbau ging bald wieder zurück und bereits 1888 wurde er im Mühlberger Stollen eingestellt. 1922 wurde der Betrieb auf den Bleialfer Gruben eingestellt. Weder die kurzfristige kriegsbedingte Reaktivierung während des dritten Reichs noch die Untersuchungen die 1954 eingestellt wurden ergaben eine Möglichkeit eines wirtschaftlichen Betriebs. In der Folge wurden alle Bergbauanlagen in Bleialf zurückgebaut.

Das Schaubergwerk wird durch den Bergmannsverein St. Barbara Bleialf betrieben, die Führungen durch Mitglieder durchgeführt. Während der Führung erfährt man alles über den Erzabbau in Bleialf, von der Geologie bis zur angewandten Technik. Das Eingangsgebäude wurde von Verein erstellt und enthält ein Cafe, das Lager für die Ausrüstung, und eine Ausstellung alter Kommunikationsgeräte. Eine Ausstellung von Bergmannsgeleucht wurde leider bei der Überschwemmung 2018 zerstört. Helm und Grubenkleidung werden gestellt. Eine Treppe führt hinunter in den Stollen. Der Führer erzählt von der Geschichte des Bergwerks und des Abbaus. Das eigentliche Abbaugebiet lag etwa einen Kilometer tiefer im Berg. Doch die 400m des Stollens die als Schaubergwerk befahren werden, wurden mit allen Werkzeugen und Maschinen ausgestattet, die im Bergbau eingesetzt wurden. Die Besucher dürfen viele selbst ausprobieren, und wenn sie etwas Gestein selbst abbauen, dürfen sie dieses sogar mitnehmen.

Der Bergmannsverein St. Barbara Bleialf existiert eigentlich seit 1926, wurde als Katholischer Bergmannsverein St. Barbara Bleialf gegründet. Da Bergmannsvereine aber primär Traditionspflege betreiben, sehen sie sich natürlich in der Tradition des Knappschaftsverein der Grube Neue Hoffnung, gegründet im August 1861 und aufgelöst mit dem Ende des Bergbaus 1888. So konnte der Verein aber 2011 sein 150 jähriges Bestehen feiern. Recht interessant ist noch, wie das "Katholischer" im Namen abhanden gekommen ist. Um einem Verbot im Dritten Reich zu entgehen wurde das nämlich gestrichen und die NSDAP übernahm die Patenschaft über den Verein. Das ließ sie sich mit einer einmaligen Aufnahmegebühr von 55 RM und einen Jahresbeitrag von 18 RM bezahlen.

Der Mühlenberger Stollen ist der letzte noch erhaltene Rest des Bergbaus in Bleialf. Alle anderen Stollen, Schächte und Übertageanlagen sind verschlossen, verfüllt oder abgebrochen worden. Die wenigen Stellen, die noch an den traditionsreichen Bleierzbergbau erinnern, wurden zu einem Geologisch-Montanhistorischen Lehr- und Wanderpfad verbunden. Die etwa 16 km lange Wanderung führt über 12 Stationen, Ausgangspunkt ist das Schaubergwerk.