Süddeutsche Schichtstufenlandschaft


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Schichtstufen. Public Domain.
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Süddeutsche Schichtstufenlandschaft. Public Domain.

Der Begriff Süddeutsche Schichtstufenlandschaft bezeichnet meist das Gebiet vom Main bis zum Südrand der Schwäbischen Alb, also bis zur Donau, und vom Rheingraben bis zum Ostrand der Fränkischen Alb. Tatsächlich ist es aber etwas größer, auf der westlichen Seite des Rheintals setzt sich die Struktur spiegelverkehrt fort.

Diese Landschaft weist durch ihre geologische Struktur eine Folge von unterschiedlich hohen Schichtstufen auf. Bei Schichtstufen handelt es morphologisch um zwei Ebenen, die sich auf unterschiedlichen Meereshöhen befinden und durch einen Steilhang, häufig mit fast senkrechten Felswänden, getrennt sind. Man nennt diese klippenartigen Felsen Trauf. Derartige Strukturen sind in Sedimentgesteinen sehr häufig, weil sie durch die unterschiedliche Härte der Schichten praktisch zwangsläufig entstehen. Harte, verwitterungsresistente Schichten widerstehen der Verwitterung gut, meist werden deshalb die darunterliegenden, weniger harten Schichten zuerst abgetragen. Verliert die harte Schicht jedoch ihr Fundament, bricht der überstehende Teil ab. Mit anderen Worten, die Stufe verwittert an ihrer Front und bewegt sich deshalb langsam in die Hochfläche hinein, man nennt dies rückschreitende Verwitterung.

Es stellt sich die Frage, warum gerade in diesem Gebiet so viele Schichtstufen existieren, die geradezu eine "Treppe" bilden. Der Grund ist recht einfach, und wiederum nicht wirklich selten: ein Paket von Mesozoischen Sedimenten wird durch Anhebung zu einer Antiklinale, einer Aufwölbung. Im Fall der Süddeutschen Schichtstufenlandschaft ist das die Anhebung im Bereich des Rheingrabens, die das Kristallin des Schwarzwalds und der Vogesen angehoben hat. Zudem war die Senkung des Rheintals der Ansatzpunkt für die Verwitterung. Als Ergebnis bildete sich ausgehend vom Rheintal eine Schichtstufe die dann "wegwanderte", dann die nächste und so weiter.

Die Aufwölbung der Schichten erfolgte im Pliozän. Seither verlagern sie sich durch die fortschreitende Verwitterung immer weiter in Ost- bzw. Südost-Richtung. Die Schichtstufen, vor allem die Träufe von Schwäbischer Alb und Fränkischer Alb, haben sich schon in der Tertiär- oder Kreidezeit gebildet. Das Rückschreiten des Albtraufs läßt sich an Zeugenbergen erkennen, also Überbleibseln der ehemaligen Hochfläche, die vor der Stufe stehen, und somit angeben wie weit die Stufe früher mindestens reichte. Die bekanntesten Zeugenberge sind der Hohenzollern bei Hechingen, die Achalm bei Reutlingen, die drei Kaiserberge Staufen, Stuifen und Rechberg und der Ipf bei Bopfingen.

Nun wird auch klar warum die Schichtstufenlandschaft sich auf der anderen Seite des Rheintals spiegelverkehrt fortsetzt. Die gleichen Gesteine und die gleiche Tektonik ergaben die gleiche Morphologie. Durch die Nähe zur französischen Grenze ist ein Teil davon in Frankreich, es gibt aber auch einen Bereich innerhalb Deutschlands, den wir auf showcaves.com aufgrund der gleichen geologischen Struktur zusammenfassen. Das Gebiet heißt Pfälzisch-Saarländisches Schichtstufenland, oder auch Nordfranzösisches Schichtstufenland. Auf französischer Seite sind die Strukturen weniger deutlich, dennoch haben wir den deutschen Teil des Gebiets zur Süddeutsche Schichtstufenlandschaft hinzugenommen.

Stufenbildner Süddeutsche Schichtstufenlandschaft Pfälzisch-Saarländisches Schichtstufenland
Buntsandstein Südlicher Odenwald, Nordscharzwald Pfälzer Bergland
Unterer Muschelkalk Bauland Lothringer Trias-Lias Land
Oberer Muschelkalk Gäuland Lothringer Trias-Lias Land
Schilfsandstein (Keuper) Lothringer Trias-Lias Land
Kieselsandstein (Keuper) Virngrund Lothringer Trias-Lias Land
Stubensandstein (Keuper) Schönbuch Lothringer Trias-Lias Land
Unterer Lias Filderebene Lothringer Trias-Lias Land
Eisensandstein (Dogger) schwache Stufe, meist direkt unter dem Albtrauf
Massenkalk (Malm) Fränkische Alb/Schwäbische Alb Lothringer Jura

Die harten Schichten, die jeweils die Oberfäche der Ebenen und den Trauf der Schichtstufen bilden nennt man Stufenbildner. Diejenigen Stufen, die aus verkarstungsfähigem Gestein bestehen, weisen in der Regel Höhlen auf. Die spektakulärsten sind die Malm-Hochflächen der Schwäbischen und Fränkischen Alb, und die Muschelkalkebenen.