Karstsee

Blindsee - Turlough - Saisonale Seen


Karstseen sind fast alle Seen in Karstgebieten. Da Karstgebiete keine oberflächliche Entwässerung besitzen und diese grundsätzlich unterirdisch erfolgt beruht ihre Existenz offensichtlich auf ihrer Verbindung zum Karstgrundwasser.

Schmiecher See, Schwäbische Alb, Deutschland.
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Schlucklöcher auf dem Seeboden, Cerknisko Jezero, Slovenia.
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Schlucklöcher auf dem Seeboden, Cerknisko Jezero, Slovenia.

Karstseen sehen aus wie jeder andere See, zumindest auf den ersten Blick, aber in der Regel haben diese Seen eine Besonderheit. Sie besitzen weder einen oberirdischen Zufluß noch eine oberirdische Entwässerung. Deshalb werden diese Seen in Deutsch oft Blindseen genannt, das sind Seen die keine oberirdische Entwässerung besitzen. Das ist aber nicht korrekt, da es auch Blindseen gibt die keinen Bezug zu Karst haben. Um die Begriffsverwirrung aufzulösen haben wir eine Liste der üblichen Bezeichnungen und ihre Bedeutung gemacht.

Blindsee Ein See der keine oberirdischen Abflüsse besitzt. Die Entwässerung erfolgt entweder durch Karst, durch Geröll bzw Porenraum, oder durch Verdunstung.
Karstsee Ein See der mit dem Karstgrundwasser verbunden ist und keinerlei oberirdische Zu- oder Abflüsse besitzt.
Endsee Als Endsee wird ein abflussloser (endorheischer) See bezeichnet, in den ein Fließgewässer mündet. Sie sind typisch für Trockengebiete und versalzen mit der Zeit.
Perennierende Seen Von lateinisch perennis=ganzjährig, führen das ganze Jahr über Wasser. Wenige Karsteen sin perennierend und wenige perennierende Seen sind Karstseen.
Intermittierende Seen fallen teilweise trocken, sind also zeitweise Seen und zeitweise trockenes Land. Nach dem Rhythmus werden folgende drei Typen unterschieden:
Saisonale Seen sind alle Seen, die saisonal sind, also in bestimmten Jahreszeiten existieren und in anderen nicht, wesentlich ist also der jahreszeitliche Wechsel.
Episodische Seen sind kurzlebige Seen oder Teiche, die nach einer kurzen Überschwemmungsphase, die in der Regel nur wenige Tage dauert, wieder trocken fallen.
Verschwindendende Seen sind genau das Gegenteil, sie sind die meiste Zeit Seen, verschwinden jedoch unregelmäßig und eher selten für kurze Zeit.

Der Karstwasserspiegel ist abhängig vom Zufluss durch Niederschlag und vom Abfluss aus Quellen am Rand des Karstgebiets. Ist der Durchfluss, also die Größe der Höhlen die durchflossen werden, größer als der Zufluss, fließt das Wasser unmittelbar ab. Der Karstwasserspiegel steigt von der Quelle im Gebirge an, die Steigung ist abhängig vom Fließwiderstand des Höhlensystems. Es bildet sich also ein von der Quelle ansteigender Wasserstand den wir im Folgenden Normalstand des Karstwasserspiegels nenne wollen. Ist der Niederschlag höher als der Durchfluss, wird die Entwässerung konstant und das überschüssige Wasser staut sich oberhalb der Engstelle und der Karstwasserspiegel steigt. Wenn die Niederschläge enden bleibt der Durchfluss gleich hoch bis die angestaute Wassermenge abgeflossen ist und sich wieder das vorherige Gleichgewicht eingestellt hat.

Karstseen neigen dazu zu wachsen und zu schrumpfen, der Wasserspiegel steigt im Frühjahr, wenn der Schnee schmilzt oder nach starken Regenfällen. In Trockenperioden sinkt der Pegel, viele dieser Seen verschwinden komplett. Der See wird durch Quellen unterhalb des Wasserspiegels gespeist und durch Ponore, ebenfalls unterhalb des Wasserspiegels, geleert. Oftmals dient die gleiche Höhle je nach Jahreszeit als Quelle und Ponore, was dann als Estavelle bezeichnet wird. Ist der See leer können leicht die Ablaufkanäle und die Ponore besichtigt werden. Oft ist es sogar möglich in die Höhle unter dem Ponor ein Stück weit einzudringen.

Der See ist der Karstwasserspiegel, der Wasserspiegel im See steigt und fällt mit dem Grundwasserspiegel. Dies ist einfach ein Ergebnis des physikalischen Gesetzes der kommunizierenden Röhren. Liegt der See deutlich über dem Normalstand, wird er offensichtlich nur dann gefüllt, wenn der Karstwasserspiegel mal sehr stark steigt. Sobald der sich wieder senkt, fällt er wieder trocken, man spricht von einem episodischen See. Liegt er nur wenig über dem Normalstand des Karstwasserspiegels, im Bereich der jahreszeitlichen Schwankungen, wird er sich in den meisten Jahren füllen und leeren, außer vielleicht in besonders trockenen oder besonders nassen Jahren. Dann spricht man von einem saisonalen See, der häufigsten Form von Karstseen. Befindet sich des See im Bereich des Normalstandes ist er ganzjährig gefüllt, nur schwankt der Seespiegel.

Im Englischen wird oft das Wort turlough für Karstsee verwendet. Dieser Name ist gälisch und beschreibt die typischen Karstseen Irlands, insbesondere in Galway. Turlough ist eigentlich nur die gälische Übersetzung von Karstsee, tuar lough bedeutet trockener See. Dieser Begriff fand auch Eingang in die wissenschaftliche Literatur (Waltham & Lowe: Wörterbuch des Karsts, S. 38). Obwohl zahlreiche Quellen behaupten, dass Turloughs nur in Irland und Wales existieren, ist das natürlich Unsinn. Dies liegt einfach daran, dass Karstseen nicht Turlough genannt werden, wenn die Einheimischen kein Gälisch sprechen.

Turloughs sind saisonale Seen, die in den Karbonkalk Karstgebieten in Zentral- und West-Irland vorkommen, wo sie häufig eiszeitlich ausgegrabene Vertiefungen besetzen. Sie füllen sich normalerweise zwischen Herbst und Frühjahr über Quellen im Seegrund und entwässern im Sommer über Schlucklöcher oder estavelles. Eine andere Definition von Turloughs von Coxon (1987) nennt drei Hauptkriterien zur Unterscheidung von Turloughs von anderen saisonalen Seen:

  1. Saisonbedingte Überschwemmungen bis zu einer Tiefe von mehr als 0,5 m für einen Teil des Jahres und einen Trockenboden (abgesehen von kleinen Restbecken) für einen Teil des Jahres.
  2. Aufladen über ephemere Quellen oder Estavelles.
  3. Entleerung in den Grundwasserspiegel über Ponore oder Estavelles, ohne oberirdischen Abfluss.

In vielen Fällen ist es ziemlich schwierig zu entscheiden, ob ein See ein echter Karstsee ist. Die geologische Untersuchung ist sehr schwierig und bei einigen Seen gehen die Meinungen auseinander. Natürlich ist das Vorhandensein von Karst um und unter dem See erforderlich. Weiterhin ist das starke Schwanken des Seespiegels ein guter Hinweis.

Und schließlich gibt es einen einzigen auf der Erde, das Lough Funshinagh in Roscommon, Irland, der innerhalb von Minuten verschwindet und einige Tage später ziemlich flott wieder auftaucht. Und das passiert nur selten, meist vergehen 20 oder mehr Jahre zwischen zwei Ereignissen. Wir sind überzeugt, dass es nicht der einzige derartiges See ist, aber es ist der einzige, von dem wir wissen und den wir auf showcaves.com beschrieben haben.