Höhlenbär

Ursus spelaeus


Rekonstruktion eines Höhlenbärenskeletts in aufgerichteter Haltung. ShowcaveHöhlenkundliches Museum Laichingen, Deutschland.
ein Höhlenbärenskelett, gefunden und ausgestellt in der ShowcaveTeufelshöhle, in Franken, Deutschland.

Der Höhlenbär (Ursus spelaeus Rosenmüller, 1794) lebte in Europa während des mittleren bis späten Pleistozän. Der Höhlenbär ist ein naher Verwandter des Braunbären, beide entwickelten sich vor etwa 1,2 Millionen Jahren aus einem gemeinsamen Vorfahren, dem Ursus arctos. Er starb während der Würm-Eiszeit (vor 24.000-10.000 Jahren) aus. Der wissenschaftliche Name Ursus spelaeus leitet sich von der Tatsache ab, dass so viele Höhlenbärenknochen in Höhlen gefunden wurden. Tatsächlich war er nicht nur ein zufälliger Besucher, sondern er brauchte Höhlen zum Überwintern. Eine große Anzahl von Höhlen in ganz Europa enthalten mächtige Überreste von Höhlenbären. In Europa stammen die in Höhlen gefundenen Knochen meist von Höhlenbären, viel weniger von anderen Tieren und nur sehr wenige von anderen Bären. In mehreren Schauhöhlen sind die wieder zusammengesetzten Skelette von Bären ausgestellt.

Höhlenbären wurden in der Fränkischen Schweiz, einem höhlenreichen Gebiet in Bayern, benannt (siehe RegionFränkische Alb). Viele der Höhlen in diesem Gebiet enthielten Knochen, und es gab mehrere naturwissenschaftlich interessierte Menschen, die in diesem Gebiet forschten. Johann Friederich Esper beschrieb 1774 in seinem Buch Ausführliche Nachricht von neuentdeckten Zoolithen unbekannter vierfüsiger Thiere, und welche sie enthalten, so wie verschiedene andern denkwürdigen Grüften der Obergebürgischen Lande des Marggraftums Bayreuth, mit vierzehn illuminirten Kupfer-Tafeln die ersten Höhlenbären. Der extrem lange Titel bedeutet so viel wie Neu entdeckte Fossilien von unbekannten vierfüßigen Tieren in den Höhlen Frankens. Zu dieser Zeit glaubten die Wissenschaftler noch an die Bibel und Esper war Theologe und Paläontologe. Aussterben war undenkbar, außer als Folge der Sintflut, also interpretierte er sie als Eisbären. Das war ein großer Fortschritt, zuvor waren unbekannte Knochen einfach als Affen, Hunde oder Katzen, oder sogar als Drachen oder Einhörner interpretiert worden. Viele Drachenhöhlen und Einhornhöhlen in Europa sind eigentlich Bärenhöhlen.

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Johann Christian Rosenmüller. Public Domain.

Erst zwanzig Jahre später gab Johann Christian Rosenmüller, ein Anatom an der Universität Leipzig, der Art den binomischen Namen Ursus spelaeus Rosenmüller, 1794. Er fand die Hauptunterschiede zwischen dieser Art und anderen Bären bei der Untersuchung eines Schädels aus Franken, aus der HöhleZoolithenhöhle. Dieser Original-Schädel ging im Zweiten Weltkrieg verloren, aber es sind viele Bilder davon veröffentlicht.

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Ursus spelaeus Rosenmüller, 1794. Public Domain.

Der Hauptunterschied zwischen dem Höhlenbären und dem heutigen Braunbären ist die Größe: Das Gewicht des Höhlenbären konnte bis zu 1 Tonne (1.000kg) betragen, seine Schulterhöhe betrug 3,50 m, was etwa 30% größer ist als die des Braunbären. Eine einfache Möglichkeit zu erkennen, ob es sich um einen Höhlenbären oder einen Braunbären handelt, ist der Schädel. Die Stirn des Höhlenbären ist höher und steiler als die des Braunbären.

Höhlenbären nutzten Höhlen für viele Zwecke: Sie überwinterten dort, brachten die Jungen zur Welt und starben manchmal in Höhlen, meist während des Winterschlafs. Tatsächlich ist die enorme Menge an Knochen ein Ergebnis der langen Zeit, die sie die Höhlen nutzten. Selbst wenn nur ein Bär pro Jahrhundert in einer Höhle starb, gab es nach einigen 10.000 Jahren Hunderte von Skeletten in der Höhle. Der Höhlenbär ist also kein Höhlentier, er gehört zu den Trogloxen, die nur einen Teil ihres Lebenszyklus in Höhlen verbringen und periodisch zurückkehren.

Der Höhlenbär war ein Herbivore (Pflanzenfresser), seine Nahrung waren Kräuter, Gras, Beeren und der Honig von Wildbienen, manchmal jagte er aber auch Kleintiere. Das Höchstalter der Höhlenbären lag bei etwa 20 Jahren.

Höhlenbären entwickelten sich vor etwa 250.000 Jahren, das ist das Alter der ältesten Knochen, die als Höhlenbärenknochen klassifiziert wurden. Der Zeitpunkt des Aussterbens ist nicht ganz klar, manche Bücher sagen 30.000 Jahre, andere nur 8.000 Jahre. Es scheint allerdings, dass in viele lagern von Höhlenbärenknochen um 24.000 vor heute keine Knochen mehr abgelagert wurden. Die Höhlenbären lebten über Jahrtausende und starben dann aus, aus Gründen, die wir eigentlich nicht verstehen. Gängige Theorien sind Klimaveränderungen, Ausrottung durch den Menschen, eine Krankheit oder auch genetischer Niedergang. Zu Beginn der Würm-Eiszeit, der sogenannten "letzten Eiszeit", schrumpften die Wälder drastisch und die Reduzierung der Hauptnahrungsquelle der Höhlenbären könnte zu ihrem Aussterben geführt haben. Allerdings haben sie zuvor andere Eiszeiten überlebt. Diese Zeit korrespondiert auch grob mit dem Auftauchen des modernen Menschen in Europa. Dabei ist die naheliegende Variante, dass Menschen die Bären gejagt und ausgerottet haben, bei weitem nicht die einzige. Der Mensch könnte auch indirekt zu ihrem Aussterben geführt haben. Zum Beispiel indem er mit ihnen um Nahrungsressourcen konkurriert hat. Weil die Menschen ihre Höhlen besetzt haben, wodurch sie daran gehindert wurden, dort zu überwintern. Auch der Besuch von Höhlen durch den Menschen im Winter könnten die Bären im Winterschlaf gestört und damit eine höhere Sterberate verursacht haben.

Literatur