Die Norddeutsche Tiefebene


Die Norddeutsche Tiefebene heißt eigentlich Norddeutsches Tiefland und ist der Landschaftsgroßraum zwischen Nordsee, Ostsee und der mitteleuropäischen Mittelgebirgsschwelle. Tatsächlich verbinden Westdeutsche meist die Region zwischen Hannover und Hamburg mit diesem Begriff, das ist allerdings nur ein sehr kleiner Teil. Wenn man sich eine Landkarte anschaut, sind tatsächlich die Mittelgebirge hier recht weit im Norden. Im Westen gehören die Westfälische Bucht und der Niederrhein noch dazu, wodurch das Tiefland fast bis Bonn reicht. Im Osten ist die Südgrenze das Erzgebirge und der südlichste Punkt liegt bei Zwickau. Damit ist das die größte Region in Deutschland mit einer mehr oder weniger einheitlichen Geologie.

Das Gebiet ist ein Tiefland, wurde in den verschiedenen Kaltzeiten mehrfach von mächtigen Gletschern bedeckt und ist deshalb von mächtigen quartären Ablagerungen bedeckt. Diese Ablagerungen bestehen aus Sand und Steinen, das Grundwasser liegt in vielen Bereichen nahe unter der Erdoberfläche. Insgesamt sehr schlechte Voraussetzungen für Verkarstung. Mit anderen Worten, es gibt hier praktische keine natürlichen Höhlen. Dafür gibt es allerdings Bergbau, speziell nach Salz, Kalisalz, Braunkohle, Steinkohle, Erdöl und Eisenerz. Dafür ist die Beckenstruktur verantwortlich. Über einem kristallinen Basement liegen 3 bis 4 Kilometer mesozoische Sedimente, beginnend mit dem Zechstein.

In den Zechsteinschichten befinden sich Salzlager mit beträchtlicher Mächtigkeit. Die Dichte des Salzes ist niedriger als die Dichte der Deckgebirgsschichten. Außerdem beginnt Salz bereits unter einem Druck von 100 kg/cm² zu fließen. Deshalb begann das Salz schon bald, vor allem aber in Oberjura und Unterkreide zu fließen. Es bildeten sich Salzkissen, die dann die Deckschichten durchlugen und Salzstöcke (Diapire) bildeten. Durch die Kräfte von unten entstanden oft über den Salzstöcken hügelförmige Aufwölbungen, an denen die verkarstungsfähigen Schichten aus Muschelkalk und Jura lokal bis an die Oberfläche nach oben transportiert wurden.

Die Steinkohle wurde wie in Europa üblich in den Sedimentschichten als Flöze abgelagert, vorwiegend im Karbon. Der Abbau startete meist an Stellen, an denen die Kohle durch die Salztektonik die Erdoberfläche erreicht hat. Auch die Bildung von Erdöl ist mit der Salztektonik verbunde, das Öl aus den bitumenreichen Erdölmuttergesteinen steigt nach oben und wird in sogenannten "Fallen" gesammelt. Dabei handelt es sich um wasserundurchlässige Mergelschichten die von den Diapiren nach oben gebogen und so um den Diapir eine nach oben gerichtete Kuppel bilden. Das Eisenerz stammt in der Regel aus dem mittleren Jura, der wegen seines Eisengehalts auch Brauner Jura genannt wird. Auch hier wiederum begann der Bergbau meist, wo die Schichten des Braunen Jura durch Salztektonik die Erdoberfläche erreicht haben.

Die Braunkohle ist wohl der einzige Bodenschatz, der nicht mit der Halotektonik zusammenhängt. Im gesamten Gebiet gibt es immer wieder Regionen mit erheblichen Braunkohlelagern. So gibt es das Rheinland, Helmstedt, Mitteldeutschland und die Lausitz, bis vor ein paar Jahren wurde hier in großem Maßstab Braunkohle abgebaut und verstromt, sowie Fernwärme produziert. Inzwischen sind die meisten geschlossen, nicht wegen ihrer Profitabilität, sondern wegen dem CO2-Ausstieg und den Bürgerprotesten gegen die riesigen Tagebaue. Das bedeutet aber auch, dass es inzwischen eine große Anzahl an Museen zu diesem Thema gibt. Mangels unterirdischen Abbau gibt es allerdings keine Schaubergwerke, es handelt sich zwar um Industriemuseen, dennoch haben wir sie gelistet.

Natürlich ist eine Ebene im Kriegsfall viel leichter zu erobern als eine bergige Region. So wurden auch in den Weltkriegen des 20. Jahrhunderts massiv Bunkeranlagen und Verteidigungsanlagen erbaut. Hinzu kommen Luftschutzbunker der vielen Großstädte. Man kann also sagen, dass die Mehrzahl der unterirdischen Sehenswürdigkeiten dieser Region Bunker sind.